Projekt Moytamadea
Besuch aus Moytamadea: Moody Saleh
Schulleiter der El-Salam-Schule am GaK
Lernen für die Arbeit daheim
Leiter der ägyptischen Partnerschule
des Krebsberg-Gymnasiums besucht Neunkirchen
Die Initiative

In diesem Jahr wird unsere Schule 125 Jahre alt, und das ist für uns nicht nur ein Anlass zum Feiern, sondern auch für eine neue Initiative des Gymnasiums am Krebsberg.
Wir wollen eine Patenschaft übernehmen für eine Schule in Moytamadea / Ägypten, eine ganz erstaunliche Schule. Müllhalde

Fotos: Voltmer

Moytamadea ist ein Vorort von Kairo, und ein anrüchiger dazu. Denn Moytamadea heißt die Müllhalde dieser Stadt mit unvorstellbaren 17 Millionen Einwohnern. Mehr als 5000 Menschen fristen hier ihr Leben. Sie arbeiten und leben im Müll, sammeln, sortieren, nehmen das Essbare für sich und ihre Kinder. Was nicht mehr verwertbar ist, wird verbrannt, so dass ständig ein Schleier aus beißendem Rauch über den Verschlägen aus Blech und Holz, in denen die Familien inmitten der Müllberge hausen.
Müllsammler Bronchitis, Rheuma, Hautkrankheiten und Blasenleiden sind weit verbreitet. Natürlich gibt es keine Elektrizität, und das Grundwasser ist inzwischen so vergiftet, dass es nicht einmal mehr abgekocht verwendet werden kann. Eine staatliche Schule gibt es im Einzugsbereich von 500 000 Menschen nicht.

Und doch ist in diesen Ort der Hoffnungslosigkeit eine wunderbare Hoffnung eingekehrt.

Schwester Grabis



Es begann mit der Sozialarbeit einer Frau, Schwester Maria Grabis, die dort seit Jahrzehnten Ausbildungs- und Aufbauarbeit leistet.
Unterstützt von den deutschsprachigen evangelischen und katholischen Christengemeinden in Kairo und längst auch aus dem Saarland.


Viel ist schon entstanden:
Alphabetisierung ist die Grundlage aller Verbesserung; so entstand die Schule von Moytamadea für die Kinder der Ärmsten. 440 Kinder und 24 Lehrpersonen arbeiten hier. Die ersten drei Absolventen der Schule haben inzwischen ihr Studium an der Universität aufgenommen.
1999 ereignete sich ein kleines Wunder:
Von 1000 Schulen in Kairo schloss die Schule von Moytamadea das Schuljahr mit den besten Prüfungsergebnissen ab.
Schulkinder

Aber: 1999 mussten auch mehr als 1000 Kinder abgewiesen werden, Kinder die unbedingt lernen wollen und von denen die Schule jetzt in einem Notprogramm („Kinderclub“) so viele wie möglich nachmittags unterrichten will, bis sie vielleicht doch noch aufgenommen werden können. Die Schule muss also unbedingt erweitert werden, und wir wollen mit bauen.



Dazu wurde Solidaritätswanderung am 1. September 2000 organisiert.
Die ganze Schule hatte sich auf den Weg gemacht - 14 km durch die Wälder von Neunkirchen und Furpach.
Die Schülerinnen und Schüler suchten sich „Sponsoren“, die ihnen für jeden gewanderten Kilometer einen selbst festgesetzten Betrag versprachen.
Der gesamte erwanderte Betrag wurde ungeschmälert nach Moytamadea überwiesen.

Spendenmarsch

 
Ergebnis der Soldaritätsaktion: DM 87075,-

Herzlichen Dank allen Spendern


Weitere Informationen
Moytamadea und Ägypten im Internet


Kairo und sein Müll

Diese Stadt, die 1966 noch 3 Millionen Einwohner hatte, ist inzwischen auf schätzungsweise 17 Millionen Einwohner angewachsen. Nimmt man den Großraum Kairo hinzu, drängen sich hier heute 25 Millionen Menschen zusammen.
Jeden Tag, 365 mal im Jahr, kommen allein 1000 Neubürger aus den ländlichen Gebieten in die Stadt, auf der Flucht vor Armut und in der Hoffnung auf ein besseres Leben.
Diese Stadt kennt keine zentrale Müllabfuhr.
Ihre Bewohner, ihre Geschäfte und Betriebe zahlen nichts dafür, dass der Müll eingesammelt und getrennt, wiederverwertet, deponiert oder verbrannt wird, im Gegenteil:
Das Recht zum Müllsammeln muss erkauft werden.
Tausende von Müllsammlern, Zabalins genannt, leben in Kairo vom Müll. Meist sind es koptische Christen, aber auch arme Muslime aus den ländlichen Provinzen des Landes, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die Hauptstadt gezogen sind. Dort aber bleibt vielen aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit nur der Ausweg sich das Recht zum Müllsammeln zu erkaufen.
Mit Eselskarren oder kleinen Lastwagen fahren sie täglich in „ihren“ Bezirk und sammeln an den Straßenrändern und in den Hinterhöfen allen Müll in große Säcke und bringen ihn in die Müllstädte, zum Beispiel nach Moytamadea
Kairos Müllstädte sind natürlich weniger bekannt als Sphinx und Pyramiden. In Moytamadea leben und arbeiten 5000 Menschen mitten im Müll. Der in Kairo gesammelte Müll wird hier abgeladen und dann sorgfältig sortiert.
Zuerst wir herausgesucht, was Menschen noch essen können, dann, was man noch an Tiere verfüttern kann, und dann wird getrennt nach Papier, Metall Glas und Kunststoff - nach dem also, was an Recyclingfirmen verkauft werden kann.
Aus dem Erlös aus dem Wiederverkauf des handverlesenen Mülls besteht der Lohn der Zabalins. Der Restmüll wird an Ort und Stelle verbrannt, so dass ständig Rauch über dem Gelände liegt. Hier arbeiten die Menschen nicht nur ohne Atemschutz und Schutzkleidung, hier wohnen sie auch. Ohne Trinkwasserversorgung, ohne Abwassersystem, ohne Strom.
Sie können diesen Arbeitsplatz auch gar nicht verlassen, auch die Kinder nicht: Selbst wenn die Familien sich eine Wohnung leisten könnten - es gibt keine Busverbindung von und nach Moytamadea. Kinder können daher auch nicht zur Schule gehen - es gibt keine staatliche Schule in erreichbarer Nähe.
Zwischen Wellblechhütten spielen kleine Kinder auf staubiger Straße im Müll, in dem Schweine nach Essenresten und Ziegen nach Papierabfällen suchen.
Die unkontrollierte Lagerung und Verbrennung des Mülls verursacht nicht nur einen beißenden Gestank nach Fäulnis und Verwesung, sondern auch gravierende Probleme für Mensch und Umwelt.
Erkrankungen der Atemwege, Hauterkrankungen und Blasen-Beschwerden quälen viele der Bewohner. Inzwischen ist das Grundwasser so verschmutzt, dass es nicht einmal abgekocht verwendet werden kann.
Trinkwasser muss außerhalb des Müllviertels in Kanistern gekauft werden.

An der Schule arbeiten heute:

1 Schulleiter
23 Lehrerinnen und Lehrer
1 Sekretär
6 Hilfskräfte (für die Reinigung und die Gesundheitsfürsorge
460 Schülerinnen und Schüler

die Schulzeit umfasst in Ägypten:

2 Jahre Kindergarten (4 - 6-Jährige)
6 Jahre allgemeine Grundschule (6 - 12-Jährige)
3 Jahre Aufbauklassen (Schulende mit 15 Jahren)
z.Z. besuchen die ersten drei Moytamadea-Absolventen die Universität, darunter eine Medizinstudentin.

Das Gesundheitszentrum Rasudr

Von den gesundheitlichen Problemen von Menschen, die inmitten einer ständig schwelenden und brennenden Müllhalde leben, war schon die Rede.
„Natürlich“ gibt es in Moytamadea längst eine Arztstation, aber das war Schwester Maria Grabis nicht genug. Sie hatte eine neue Idee:
Die Familien aus Moytamadea sollten einmal im Jahr einen Kur-Urlaub im gesunden Meeresklima zu ermöglichen. Auf diese Weise hätten sie die Möglichkeit, sich von den extremen Umweltbelastungen des Müllviertels zu erholen.
Also wurde wieder Land gekauft, diesmal am Meeresstrand.
Die Gebäude des Gesundheitszentrums bei Ras Sudr auf dem Sinai liegen direkt am Roten Meer, ca. 60 km südlich des Suezkanals. Das Ferienzentrum mit seinen 20 Doppelzimmern wurde von den Bewohnern des Müllviertels Moytamadea errichtet. Die bereits beim Bau der eigenen Häuser gesammelten Erfahrungen konnten hier ideal angewendet werden.
Menschen, die sonst keine Chance hätten, die Müllhalde jemals zu verlassen (vor allem die Frauen und Mädchen), können ausspannen. Das berühmte Wasser des Roten Meeres heilt die strapazierte Haut, die Seeluft hilft den Lungen und Bronchien.
Im Winterhalbjahr wird das Camp mit Touristen belegt, um langfristig eine spendenunabhängige Finanzierung des Müllstadtprojektes zu erreichen. Die Mitarbeiter im Gesundheitszentrum stammen fast ausschließlich aus dem Müllviertel. Die herzliche Art des Personals, das einwandfrei geführte Camp und der herrliche Strand laden zu einem erholsamen Urlaub ein. Von hier aus helfen die Mitarbeiter gerne, Ausflüge in die wild zerklüfteten Gebirgszüge des Sinai oder einen Ausflug zum Katharinenkloster am Mosesberg zu organisieren.
(Vermittlung durch unsere Schule ist möglich!)

(Vermittlung durch unsere Schule ist möglich!)
Mit Spendengeldern konnte Land gekauft werden. Ein Bauplan wurde erstellt und die Männer lernten, wie man Häuser baut. Richtige, feste Häuschen aus Ziegelsteinen, direkt neben ihrem Arbeitsplatz.
Noch in der Dunkelheit fuhren sie jetzt nach Kairo, um den Müll zu sammeln, mittags, wenn sie wieder zurück waren, bauten sie die Häuser.
Heute gibt es 80 davon. Eine richtige kleine Straße ist entstanden. Inzwischen haben die Häuser sogar Stromanschluss. Und die Familien, die dort leben können, zahlen einen kleinen Be-trag („Was nichts kostet, ist nichts wert“ und wird nicht sorgsam behandelt), damit weiter gebaut werden kann und weitere Familien aus dem Dreck herauskommen können.
1981 wurde die staatlich anerkannte Privatschule des Selbsthilfeprojektes von Schwester Maria Theresia Grabis eröffnet. Vorher konnten die Kinder des Müllviertels keine Schule erreichen. Selbst wenn ihre Eltern sie an den weit entfernten staatlichen Schulen anmelden wollten, wurden sie dort nicht aufgenommen.
Diese Schule steht den Kindern des Müllviertels offen.
Für den Unterricht bezahlen die Eltern, soweit es ihnen möglich ist, ein jährliches Schulgeld:
161 ägyptische Pfund, das sind 80 DM, die oft in kleinen Beträgen abgestottert werden. Auch hier gilt: „Was nichts kostet, ist nichts wert“. (und wie ist das bei uns?) Allerdings musste noch kein Kind die Schule verlassen, weil seine Eltern das Schulgeld nicht aufbringen konnten.
Für die ca. 320 Kinder der durchweg gemischten Klassen beträgt die Schulzeit 7 Jahre. Jungen wie Mädchen, Kopten wie Muslime, werden zusammen unterrichtet, um sie zu einem toleranten Verhalten zu erziehen und Vorurteile gegenüber anderen Religionen abzubauen. Lediglich der Religionsunterricht findet getrennt statt. Durch einen Schulabschluss steigen die Chancen für die jungen Menschen, eine Ausbildungs,- oder Arbeitsstelle zu bekommen, die außerhalb des Müllviertels Moytamadea ansonsten sehr schwierig zu finden ist.
Der Staat verlangt auch für diese Schule eine Schuluniform, was zwar zusätzliche Kosten verursacht, aber auch den Vorteil mit sich bringt, Einkommensunterschiede über die Kleidung zu verdecken; mithin sind in der Schule und für die Schule alle Kinder gleich! Aber wie findet man Lehrerinnen und Lehrer für eine Schule neben einer Müllhalde, für die Kinder der verachteten Müll-Leute?

Ganz einfach:
An dieser Schule, die aus Grund- und Hauptschule besteht, werden die Lehrerinnen und Lehrer besser bezahlt als andere Lehrkräfte an staatlichen Schulen. Ein Lehrer an einer staatl. Schule verdient 120 ägyptische Pfund (etwa DM 60.-) im Monat - kein Wunder, dass Lehrerinnen und Lehrer versuchen müssen, durch Nachhilfestunden ihre Familien über Wasser zu halten. In Moytamadea verdienen die Lehrkräfte immerhin 200 ägyptische Pfund. Daher findet diese Schule gute und motivierte Lehrkräfte und die sonst üblichen teuren Nachhilfestunden (bei den eigenen Lehrern!) werden überflüssig.

Auf diese Weise konnte 1999 ein Wunder geschehen:
Die Schule auf dem Müll erreichte von 1000 Schulen der Umgebung das beste Prüfungsergebnis! Wegen der laufend steigenden Schülerzahl war ein Neubau überfällig, der im Sommer 1999, durch viele Spenden ermöglicht, eingeweiht werden konnte.
Jetzt wurde auch an einen Kindergarten gedacht, den nach neuerem ägyptischem Recht alle Kinder besuchen müssen, die später zur Schule wollen.

Mit dem Basar-Erlös 2002 einschließlich Spenden 7718) sollen drei neue Lehrerinnen eingestellt werden, die dann den „Kinderclub“ eröffnen - das wäre ein inoffizieller Start für zwei neue Klassen um die Zeit zu überbrücken, bis die vom Bildungsminister bereits unterschriebene Erlaubnis zur Erweiterung der Schule um zwei Klassen endlich ausgehändigt werden wird. Von dem Restbetrag wird zunächst 1. ein größerer Auftrag an die Näh- und Stickwerkstatt der Kooperative Moytamadea gegeben. 2. nach den dringenden Wünschen der Schülerinnen und Schüler in Absprache mit der Schule ein Leseraum in der Schule eingerichtet und bestückt.

Wir bekommen Besuch aus Moytamadea

Moody Saleh

Zu Beginn des neuen Schuljahres wird uns
Herr Moody Saleh, der Schulleiter der El-Salam-Schule, besuchen.

Drei Wochen lang will er an unserer Schule hospitieren, vornehmlich im Fach Englisch, aber er will auch einen Einblick erhalten in die Möglichkeiten eines modernen Unterrichts in den Naturwissenschaften.

In Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Studienseminar wollen wir ihn mit unterschiedlichen Unterrichtsmethoden vertraut machen und für sein Kollegium Möglichkeiten der Lehrerfortbildung in Ägypten finden.

Herr Saleh wird von seiner Frau begleitet. Wir freuen uns auf die Möglichkeit, die Kontakte zu unserer Patenschule auf deutscher Seite auf eine breitere Basis zu stellen und in vielen Gesprächen in aller Ruhe miteinander überlegen und planen zu können.

Natürlich sollen die Gäste auch etwas von unserer Heimat sehen...

 

Links mit weiteren Informationen zu Moytamadea und zu Ägypten

http://www.yallaev.de